Wieder startete ich zeitig. Um 4:30 Uhr war ich auf dem Weg. Ich war ja heute am Ziel in Sota Sæter mit meiner Familie zum Abendbrot verabredet. Und der letzte Tag hatte gezeigt, dass ich in dem Terrain nur 2 km/h schaffe. Aber das ist das schöne hier im Sommer - man kann losgehen, wann man will, es ist immer hell.
Im oberen Tal kam ich noch an ein paar Zelten vorbei, wahrscheinlich Wanderer aus der Gegenrichtung, die die erste Gelegenheit nach dem Blockgelände genutzt hatten. Denn das kam jetzt auf mich zu. Große Blöcke zu klettern am teilweise steilen Ufer des ca. 4 km langen Illvatnet ist nichts, was Begeisterungsstürme in mir auslöst. Gut, dass das Wetter wenigstens mitspielt und es zur Belohnung gute Sicht gibt. Dass es Norwegen Trailrunner gibt, die auch auf Blockgelände laufen, erstaunt mich auch nicht mehr.
Am Ende des Illvatnet traf ich auf einen Dänen, der gerade die MassIV-Ruta gestartet hatte. Ich fragte ihn, ob das Blockgelände jetzt bald vorbei wäre, was er mir bestätigte. Ich müsste jetzt bloß noch ganz easy ins Tal hinunter. Wahnsinn, ich habe es fast geschafft. Jasper überholte mich. Er war auch ziemlich genervt von dem Gelände und froh, dass die Blöcke bald vorbei sind. Da waren ja die Flussquerungen hier oben eine Kleinigkeit dagegen.
Der Gedanke, nur noch ein kurzer Anstieg im blockigen Gelände und dann der Abstieg ins Tal motivierten mich für den letzten Abschnitt. Nur leider war die Aussage des Dänen nicht richtig. Oben angekommen folgte das Steindalen und das heißt nicht umsonst so. Das blöde hier war, dass es einen alten Weg gab und einen neuen, die Markierungen auf dem alten aber noch sichtbar sind, so dass man ständig aus Versehen von einem zum anderen wechselte. Außerdem hatte sich das Wetter doch entschieden, noch eine paar Regentropfen zu schicken. Also wieder meine Lieblingskombi aus Gestein und Nässe.
Ich war wieder unendlich langsam und hatte keinen Empfang, um meine Familie zu informieren, die unten im Tal wahrscheinlich schon wartete. Es half nur konzentriert weiterzugehen. Am Ende des Steindalen öffnete sich endlich der Blick ins Tal nach Sota Sæter - und ich hatte Mobilfunkempfang. Ich rief an und sagte, dass ich nicht weiß, wie der Abstieg wird. Ich hatte ja meine Erfahrungen vom Vortag zur Nørdstedalshytta hinunter. Aber ich würde wohl in 2 Stunden da sein. Das wäre gerade pünktlich zum Essen in Sota Sæter. Was dann folgte, war ein Abstieg über 800 Höhenmeter und mehrere Vegetationszonen im Schnelldurchlauf. Der Weg war so gut zu gehen, dass man schon fast ins Joggen kam und ich am Ende den Abstieg in der Hälfte der gedachten Zeit hinter mich gebracht hatte. Unten kam mir meine Familie entgegen und begleitete mich bis ins Ziel.
Ein schöner Tourabschluss war neben meinem letzten Stempel im Pass das leckere Abendessen in Sota Sæter.
Und mein Fazit zur MassIV-Ruta? Schwerer als gedacht. Besonders die Etappen im Jotunheimen und Breheimen sind mit voller Ausrüstung im Rucksack fordernd. Deshalb war es gut, die Tour von Süd nach Nord zu gehen und sich damit zu steigern. Da ich vorher auf meinem NPL östlicher unterwegs war, war es schön, diesen Bereich kennenzulernen und herauszufinden, dass ich auch das norwegische Hochgebirge meistern kann.

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