In den norwegischen Hütten bekommt man so ca. ab 8 Uhr Frühstück und da ich über eine Doppeletappe nachdachte, also eine Station auslassen wollte, wollte ich gleich nach dem Frühstück los. Nur das Packen im Schlafsaal vor dem Frühstück stellte sich als etwas schwieriger heraus, da die kanadischen Mädels zwar ihre Wecker auf 7:30 Uhr gestellt hatten, aber es gibt ja auch die Snooze-Funktion. Irgendwann machte ich dann doch die Gardine etwas zur Seite - das war mir dann doch zu blöd, komplett im Dunkeln zu packen.
Nach einem guten Frühstück ging es los. Es ging erst den Berg hinauf. Ein paar Schafe stellten sich in den Weg, ließen mich dann jedoch vorbei. Der Anfang der Strecke verlief auf der gleichen Strecke, wie der vielbegangene Weg zur Aurlandshytta. Eigentlich hat man nach dem Aufstieg malerische Ausblicke Richtung Aurlandsdalen. Eigentlich. Ich sah verschiedene Variationen von schemenhaften Graugrün im Hintergrund. Ist bestimmt herrlich hier, wenn man was sieht. Na Micha - ist doch Deine Strecke für August, oder? Da können wir ja die Bilder dann mal vergleichen…
Als ich dann nach rechts Richtung Kongshelleren abbog, war ich so ziemlich allein. Das finde ich am besten. Der Weg ging immer weiter bergauf und das, was erst leichter Schneegraupel war, entwickelte sich zu etwas, was wir in Brandenburg schon als Schneetreiben bezeichnen würden. Natürlich blieb der Schnee nicht liegen, aber die Steine wurden sehr rutschig. Und es wurden mehr Steine, je näher ich Richtung Kongshelleren, einer Hütte auf 1.500 m Höhe, kam.
Ich hatte mir in Vorfeld überlegt, dass ich weitergehen würde, wenn ich 13 Uhr an der Hütte bin. Nach viel Steinkletterei war ich 13:30 Uhr oben, also fast pünktlich. Ich bin kurz in die Hütte rein, die wirklich sehr schön neu renoviert ist, und habe den Stempel für meine MassIV-Stempelkarte gesucht, aber es gab keinen. Also nur kurz übers Mobiltelefon eingecheckt und weiter ging’s.
Die Wegzeichen führten zum Fluss. War die Furt vor der Hütte schon etwas komplizierter, so konnte ich nicht glauben, dass ich hier wirklich rüber soll. Aber da war ein riesiges T und keine Brücke. Ich fing an nach einer Furt zu suchen, die einigermaßen ok wäre, aber es gab nichts. Dann schaute ich noch mal auf den Plan und siehe da, ich muss da gar nicht rüber. Welcher Witzbold hat denn da das T an den Stein gemalt! Das hätte gefährlich werden können. Na jedenfalls war ich erstmal erleichtert und setzte meinen weiteren Kilometer auf den Steinblöcken zurück.
Entlang ein paar Seen ging’s weiter und dann langsam den Berg hinunter ins Iungsdal. Wenn man tiefer kommt, hören die Steine irgendwann auf und werden von Wiesen abgelöst. Hier ließ es sich - mit Ausnahme der Sumpfbereiche - sehr viel besser laufen, auch wenn die Schafe den Weg ziemlich zugerichtet hatten.
Die letzte Strecke durch Matsch und Sumpf zog sich dann noch mal, so dass ich gegen 19:30 Uhr ab der Iungsdalshytta war, die wunderschön am Schnittpunkt mehrerer Täler liegt. Ich baute mein Zelt an der Hütte auf, machte mir kurz was zu essen und kroch endlich wieder in meinen Schlafsack. Ich war ganz schön fertig.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen