Jetzt bin ich schon 10 Tage unterwegs und so langsam macht freue ich mich wirklich auf meinen Pausentag. Heute stand noch eine längere Etappe auf’s Filefjell zur Sulebuhytta auf dem Plan und am Folgetag würde ich von dort nach Vang i Valdrés Absteigen und auf dem uns bekannten Campingplatz einen Pausentag machen.
Aber erstmal hoch zur Sulebu. Das bedeutete am Anfang gleich mal einen 400m-Anstieg. Dabei musste ich mich ganz schön durch das nasse Unterholz und die Stauden wühlen. So hohe Vegetation ist richtig ungewohnt. Je höher man kam, desto schöner waren die weiten Blicke in die Umgebung. Der Anstieg war eigentlich gar nicht so dramatisch, wie gedacht und so machte das Gehen am Morgen richtig Spaß. Die Wolken hingen tief in den Tälern und direkt über den Wiesen. Es war ein toller Anblick.
Nach ein paar Kilometern kam mir ein Trailrunner entgegen. Er war in Sulebu gestartet und wollte noch bis zur Iungsdalshytta laufen. Das sind dann über 50 km hier oben in den Bergen. Manche Norweger sind wirklich krass drauf.
Später begegneten mir noch mehrere Pärchen, die auch auf der MassIV unterwegs waren und erzählten, dass sie am heutigen Tag mehrere Herden Rentiere gesehen hatten. Also hieß es Augen aufhalten. Wurde ja Zeit, dass mir auch mal welche über den Weg laufen.
Und dann kam was kommen musste - Regen. Nicht, dass ich da jetzt so ein übergroßes Problem damit habe, aber der Regen begann und danach fing gleich wieder so ein riesiges Blockfeld an. Also ein riesiges Blockfeld mit riesigen Blöcken und Spalten dazwischen. Und der Regen hatte alles wieder total rutschig gemacht. Einmal konnte ich das Wegrutschen nicht mehr abfangen. Wieder ein Sturz. Diesmal linke Seite. Körperlich war alles ok, Jacke und Pullover hatten Schaden genommen. Und meine Sicherheitsgefühl. Ich war ja vorher schon weggerutscht, konnte es aber immer abfangen. Nun saß ich hier mitten im Blockfeld und traute mich nicht vor und nicht zurück. Es regnete weiter, also auf eine Besserung war nicht zu hoffen.
Wenigstens hatte ich Mobilfunkempfang. So war mein Mann wieder derjenige, der auf mich einredete und mir Mut zusprach, die letzten 4 km in Angriff zu nehmen. Mit viel Konzentration und unendlich langsam ging es weiter. Und gerade jetzt kamen die Rentiere. Ich konnte sie jedoch nicht beobachten, sondern musste mich auf die Blöcke konzentrieren. Die Hütte sah man schon, aber ich musste noch einen halben See umrunden, bis ich da war.
Ich war die erste an der Hütte. Dann kam eine norwegische 4er Frauenrunde auf Wandertag und dann kam Gilles. Die 4er Runde kam aus der Gegenrichtung und erzählte von 10 Bulgaren, die noch kommen würden und an der Hütte zelten. Es dauerte nicht lange und auch die bevölkerten die Hütte. Es war sehr lustig und wir haben uns gut unterhalten. Sie fahren jedes Jahr in eine andere Region Europas zum Wandern. Wir konnten ihnen ein paar Tips zur Etappenaufteilung und zu möglichen Campingplätzen geben, da z.B. an der Hütte Skarvheim das Zelten nicht möglich ist, die Hütte aber auch wenige Plätze hat für so eine große Gruppe. Ich glaube, dass das ihnen weitergeholfen hat. Sie waren sehr froh und haben sich bei uns bedankt.
Am nächsten Tag werde ich wieder komplett allein unterwegs sein, da ich von der Hauptroute östlich ins Tal absteige.

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