#12 - Sulebu - Vang i Valdrés

Ich packte am Morgen meine Sachen zusammen und sah draußen durch das Fenster eine Herde Rentiere ganz in der Nähe stehen. Ich hoffte, dass auf dem Weg abseits der Hauptroute dann noch ein paar mehr zu sehen sein würden.

Die vier Norwegerinnen waren die ersten, die die Hütte verließen - beim zusammenräumen und putzen fanden wir dann aber noch eine Hose, die sie vergessen hatten. Die Bulgaren, die in die gleiche Richtung gingen, waren so freundlich, diese mitzunehmen. Ich hoffe, dass sie ihre Besitzerin wieder erreicht. Ich verabschiedete mich von Gilles. Er würde die Hauptroute nach Norden weiterlaufen. Ich ging direkt in Richtung Osten. Der Weg war  markiert, aber man merkte schnell, dass er nicht ganz so oft benutzt wurde. Die Farbe der T's war etwas abgeblättert und der Pfad auch nicht so ausgetreten. Ich hatte schon fast vergessen, wie es ist, mal wieder etwas genauer auf die Wegzeichen achten zu müssen.

Die Wolken hingen in den Tälern. Es war eine schöne Morgenstimmung - mit Rentieren. Ich blieb stehen und musste sie erst einmal eine Zeit lang beobachten. Letztes Jahr im Norden waren sie schon fast nichts besonderes mehr. Sie gehörten einfach dazu und man hat sich gewundert, wenn man länger mal keine gesehen hatte. Hier war es immer eine schöne Überraschung, wenn man welche zu Gesicht bekam.

Als die Wolken hochgezogen waren, hatte man einen tollen Blick in die Täler. Auch ich musste heute wieder hinunter vom Fjell. Das Tal nach Vang kannte ich schon. Hier hatten wir vor ein paar Jahren eine kleine Wandertour auf den Skjøld unternommen, von dessen Gipfel aus man bis zum Jotunheimen blicken konnte. Bevor ich den steilen Abstieg in das Tal in Angriff nahm, musste ich jedoch noch durch ein paar Flüsse waten, was durchaus eine knifflige Angelegenheit war. Auf dem Weg überholte mich noch eine junge Trailrunnerin, die in der Nachbarhütte übernachtet hatte. Ich staune immer wieder, wie schnell manche hier durch die Moore und über die Steine joggen.

Je tiefer man ins Tal kam, dest dichter wurde das Gebüsch, so dass man sich am Ende ganz schön durchkämpfen musste. Als ich die Schotterstraße erreichte, war das wirklich eine Erleichterung. Nun noch 11 km hier entspannt entlang-"cruisen" - in 2 h bin ich da. Ab dem Abzweig zum Skjøld kannte ich die Strecke ja, jedoch als Fußgänger hat man andere Erlebnisse. Ich traf auf viele Schafe, die es sich im Schatten bequem gemacht hatten. Ein Teil der Schafe, die auf der Straße saßen, lief vor mir weg und als die anderen sahen, dass ihre Artgenossen sich zu weit entfernten, folgten sie uns. Ich fühlte mich wie ein Schafhirte und je weiter ich mit "meiner" Herde ging, desto ungemütlicher wurde mir, weil wir uns jetzt schon ein ganzes Stück von der ursprünglichen Stelle entfernt hatten. Glücklicherweise kam ein Fårrist (Gitter im Boden), dass die Schafe nicht überquerten. Glück gehabt. Wir hatten nämlich im Rondane auch schon gesehen, dass Schafe mit kühnem Sprung dieses Hindernis gequert hatten. Dann wäre ich mit der ganzen Herde auf dem Campingplatz angekommen. So ging es das letzte Stück für mich allein weiter.

Den Campingplatz und seine sehr netten Betreiber kannte ich schon von früheren Aufenthalten und ich kann ihn wirklich nur empfehlen. Gegenüber an der Tankstelle kaufte ich mir noch ein großes Softeis und feierte, dass ich Hardangervidda und Skarvheimen gequert hatte. Nach einer kurzen Pause würde ich die hohen Berge des Jotunheimen und Breheimen in Angriff nehmen.



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