Am Morgen hatte der Regen aufgehört. Ich nutzte die Zeit bis mein Bus fuhr, um meine Bodenplane und das Zelt zwischen den Bäumen aufzuhängen und zu trocknen. Mit dem Bus wollte ich wieder zurück auf die Strecke, von der ich mich ja durch den Anstieg nach Vang eine ganze Ecke entfernt hatte. Da der Bus erst mittags fuhr, würde ich so die halbe Tagesetappe von der Bushaltestelle bis zur Slettningsbu noch in Angriff nehmen können.
Die Fahrkarte hatte ich im Internet gebucht - nur leider ein paar Stunden zu spät - der Preis war 20% höher als am Vortag. Bei Zügen ist man das ja gewöhnt, aber bei einer Busfahrt in den Nachbarort... Ich musste nicht lange an der Bushaltestelle warten. Ich sagte dem Busfahrer, wohin ich will und er fragte, ob er mich wirklich an der Haltestelle rauslassen soll oder nicht besser 500 m weiter direkt an der St. Thomaskyrkja, wo auch der Einstieg zum Wanderweg ist.
Na den Service nehme ich doch gerne an! Erst einmal ging es jedoch mit dem Bus nach Tyinkrysset - eine kleine Hüttensiedlung mit einem Hotel, einem Supermarkt, einem Sportgeschäft und einem WoMo-Stellplatz. Dort machte der Bus, der von Oslo kam und nach Bergen fuhr, eine halbe Stunde Pause. Wenn man eigentlich nur eine halbe Stunde Fahrzeit hat, dann ist ein halbe Stunde Pause ziemlich viel. Die ganzen Leute, die seit Oslo im Bus saßen, froren etwas, als sie an die frische Luft kamen. Ich war es gewöhnt und sogar die Sonne schien. Nach der Pause ging es weiter, durch den Filefjelltunnel, also unterm Fjell hindurch, auf die andere Seite. Kurz nach dem Tunnel in Kykjestølane hielt der Bus an und ich stand wieder auf meiner Strecke.
In Kyrkjestølane gibt es eine interessante Kirche. Früher stand hier eine Stabkirche aus dem 12. Jh. Diese wurde zu einem vielbesuchten Pilgerziel. Der Lärm während der Gottesdienste, aber auch die Feste der Pilgerer an der Kirche haben dazu geführt, dass die Kirche auf Geheiß des Priesters 1808 abgerissen wurde, um das Treiben zu unterbinden. Die Glocken wurden auf andere Kirchen verteilt. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde die Idee geboren, hier wieder eine Kirche zu errichten, was von den norwegischen Nazis in ihr Parteiprogramm aufgenommen wurde. Nach dem Krieg wurden Bestrebungen zum Wiederaufbau von anderer Seite betrieben und 1971 wurde an dieser Stelle eine neue Kirche geweiht.
Leider war die Kirche geschlossen, so dass ich mich gleich an den Aufstieg auf das Fjell machte. Schließlich war schon Mittag und ich hatte noch den ganzen Weg vor mir. Der Rucksack war nach meinen Einkäufen in Vang wieder schwer und so quälte ich mich den Berg hinauf. Plötzlich überholte mich ein ziemlich großer Niederländer. Wir unterhielten uns kurz und er meinte, dass wir ja zusammen laufen könnten. Ich erwiderte, dass ich ziemlich langsam bin. Aber er entgegenete, dass sein Schuh kaputt sei und der auch langsam laufen müsse. Irgendwann sah er ein, dass ich wirklich ziemlich langsam bin und ging voraus. Ich war ganz froh, wieder mein eigenes, zugegebenermaßen heute sehr langsames Tempo gehen zu können.
In der Ferne hatte man eine tolle Sicht auf die Berge des Jotunheimen. Und als nach einigen dunklen Wolken am Abend die Sonne nochmal rauskam, beschloss ich an der Slettningsbu zu zelten und nicht in der Hütte zu übernachten. Nach 3 Tagen Zeltplatz wollte ich mal wieder alleine sein.

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