#15 - Slettningsbu - Fondsbu

Am Morgen unterhielt ich mich noch einmal mit Jasper, dem Niederländer von gestern, der auch an der Hütte gezeltet hatte. Sein Trailrunner war an der Innenseite komplett aufgerissen. Ich gab ihm mein Nähzeug, aber man kam mit der Nadel nicht durch die Seite der Gummisohle. Glücklicherweise hatte ein Norweger eine Rolle Gewebeklebeband, das Jasper einfach mehrfach um den Schuh wickelte. So würde er es erst einmal bis zur nächsten Straße schaffen, die nur ein paar Kilometer nördlich verlief. Hier würde er versuchen, nach Øvre Årdal zu trampen, dort neue Schuhe zu kaufen und dann wieder auf dem gleichen Weg zurück auf den Trail zu kommen. Auch er lief nämlich die MassIV-Ruta und genau wie ich als einer den wenigen von Süd nach Nord.

Auch ich musste erst einmal zu besagter Straße, der ich jedoch nach Osten in Richtung des Sees Tyin folgte. Am Tyin angekommen, ging es am sehr sumpfigen Ufer entlang, dann mal ein Stück in die Höhe über eine Halbinsel hinweg bis zum nördlichen Seeende. Von hier hatte man einen wunderschönen Blick in Richtung des Falketind-Gipfels ins Jotunheimen hinein. Ab hier war der Weg dann einfach zu gehen. Eine Schotterstraße führte direkt nach Fondsbu.

Auf Fondsbu war ich gespannt, war hier doch erst letztes Wochenende das Vinje-Rock-Festival zuende gegangen. Vor ein paar Jahren waren wir hier schon einmal in der Vorbereitungsphase des Festivals hier und auf den Utsikten (Vinje-Toppen) geklettert. Man hatte eine Ahnung bekommen, was hier zum Festival los sein muss. Umso überraschter war ich, dass ich heute vor Ort überhaupt keine Anzeichen gesehen habe, dass hier vor einer halben Woche noch tausende Menschen gezeltet und gefeiert hatten. Da hat die "Stadtreinigung" aber ganze Arbeit geleistet.

Ich zeltete wieder an der DNT-Hütte, um Dusche und Trockenraum nutzen zu können und fand einen schönen Zeltplatz gleich gegenüber des Eidsbugården. Und langsam muss ich auch die Entscheidung treffen, ob ich es wagen sollte, übermorgen über die Fannaråkhytta zu gehen. Das bedeutet, 1.200 Höhenmeter Aufstieg auf 11 km Wegstrecke und Abstieg am Folgetag über den Gletscher zur Sognefjellshytta. Auf der einen Seite ein Wahnsinnsabenteuer, aber ehrlich gesagt habe ich Angst, dass ich es nicht schaffe. Schon ohne meinen Rucksack ist das verdammt anstrengend. Da man aber die Gletscherführung 2 Tage im Voraus buchen muss, schrieb ich erst einmal an die Betreiber der Fannaråkhytta, ob überhaupt noch Plätze für die Gletscherquerung frei sind. Das scheint kein Problem zu sein, jedoch ist die Hütte selbst komplett ausgebucht - eine Matratze würde sich aber für mich immer finden.

Also prinzipiell ist es möglich und das Wetter scheint auch mitzuspielen. Für den Aufstieg übermorgen ist nachmittags etwas Regen angesagt, aber nicht viel. Ich bin mir nur sehr unsicher, ob ich es körperlich schaffe. Ich vertage die Entscheidung mal noch einen Tag...



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