Am Morgen sammelte ich erstmal wieder alle Sachen aus dem Trockenraum ein und machte mich auf den Weg. Es ging entlang vieler Ferienhäuser entlang des Sløtabekkens den Berg hinauf. Von hier hatte man einen schönen Blick zurück auf den Bygdin. Ein paar Leute waren mit dem Hund unterwegs oder joggten ihre Morgenrunde. Doch je höher ich kam, desto steiniger wurde es. Gut dass die Sonne schien und die Steine trocken waren. Den zu querenden Schneefeldern tat die Sonne jedoch nicht so gut. Hier musste man besonders am Rand immer ganz schön aufpassen, dass man nicht durchbricht.
Es ging an mehreren kleinen Seen entlang mit tollen Blicken zu Gletschern und Bergen, wie dem Stølsnotinden und dem Falketinden auf der linken Seite. Rechts öffnete sich der Blick auf den Uranosbreen.
Das ganze Gelände war blockig und ich glaube, ich habe schon das eine oder andere Mal erwähnt, dass das nicht so mein bevorzugter Wanderuntergrund ist. Ich muss auf solchem Gelände aber immer an Mads denken, den älteren Schweden aus dem letzten Jahr, der solche Passagen immer ungeheuer behende und mit Leichtigkeit zurück legte. Das wichtigste ist, sich zu konzentrieren. Wenn das über Stunden geht, ist es jedoch eine Herausforderung für Kopf und Füße.
Gegen Mittag hatte ich das Uradalsvatnet erreicht, ein See, welcher sich am Fuße des sehr markanten Uranostinden erstreckt. Diesen musste zur Hälfte ich umrunden. Die Blöcke entlang des Ufers waren teilweise so groß, dass man richtig klettern musste. Am frühen Nachmittag kamen mir zwei Wanderer entgegen, die morgens an der Skogadalsbøen gestartet waren. Sie hatten bis hierhin genauso lange gebraucht, wie ich von Fondsbu. Wir waren also auf der Mitte der Tagesetappe und es zeichnete sich ab, dass ich noch eine ganze Weile brauchen würde, um meine Strecke zu schaffen.
Aber irgendwann war auch das Uradalsvatnet umgangen und ich konnte den letzten Pass des Tages in Angriff nehmen. Danach wurde das Gelände besser. Die Steine wichen nach und nach größeren Grasflächen und es war fast entspannt zu laufen. Je tiefer ich kam, desto grüner wurde die Umgebung. Hier hätte man auch schon gut zelten können, aber mein Ziel für heute war die Hütte. Falls ich morgen auf die Fannaråkhytta gehe, wollte ich es ausgeruht machen und nicht noch mit Zusatzkilometern in den Beinen.
Die Vegetation wurde üppiger, Wiese wurde von Weidengesträuch abgelöst. Irgendwann kamen Fjellbirken dazu. Ein paar Wanderer kamen mir entgegen, die Gesichter hinter Mückennetzen versteckt. Meins war immer noch ungenutzt in der Kopftasche des Rucksacks. Meine Erfahrung: Einfach nur laufen, dann ist man relativ sicher gegen Mückenangriffe.
Und wieder machte ich den Fehler zu denken, dass ich es gleich geschafft habe. Das querende Utladal, in dem die Hütte steht, war schon in Sicht, doch ich musste noch mal richtig fiese Blöcke mit breiten Spalten überklettern. Auch der steile Abstieg ins Tal war vom Regen gestern abend eine matschige Rutschbahn, so dass selbst der Pfad im Wald zur Hütte noch einmal zu einer Herausforderung wurde.
Nach ca. 12 h für knapp 24 km kam ich an und stellte mein Zelt auf der Wiese hinter der Skogadalsbøen auf. Die Hütte liegt sehr idyllisch.
Was aber der absolute Hammer ist, ist der Trockenraum. Wenn man ein Beispiel für den Bau eines Trockenraumes bräuchte - das ist die ultimative Lösung - der Boden aus Streckmetall und unter dem Boden ein riesiges Gebläse. Alles, was dort stand oder hing war in Windeseile trocken. Wenn ich nach dieser Tour eine Rangliste für Trockenräume aufstellen müsste - das ist die unangefochtene Nummer 1.
Ich fragte an der Rezeption nach dem Wetter für morgen. Die Grafik zeigte für morgen Sonne an, aber am frühen Nachmittag Gewitter. Würde mir die Entscheidung abgenommen? Bei Gewitter würde ich auf jeden Fall unten durchs Tal gehen. Aber die Betreiberin der Hütte sagte, dass die neue Vorhersage nur noch Regen anzeigt, ein Aufstieg auf die Fannaråkhytta also kein Problem wäre.
Ok - ich werde es versuchen. Wenn MassIV-Ruta, dann richtig! Umkehren kann ich immer noch, wenn ich merke, dass ich es nicht schaffe und dann durchs Tal gehen. Wie steht es in den Fjellvettreglene: Det er ingen skam å snu. - Es ist keine Schande umzukehren.
Ich hatte in Vang eine Tüte Schokolinsen gekauft. 180 Stück für 1200 Höhenmeter. Für jede 10 Höhenmeter eine. Und dann noch ein paar für den Notfall. Die kamen jetzt vorn in die Bauchgurttasche. Ich bin vorbereitet!

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