#17 Skogadalsbøen - Fannaråkhytta

Am Morgen noch schnell alle Sachen aus dem Luxus-Trockenraum geholt und nochmal kurz auf die Wettervorhersage geschaut. Eigentlich habe ich keine „Entschuldigung“, im Tal an der Fannaråkhytte vorbeizugehen. Und ich würde mich später gewiss ärgern, es nicht versucht zu haben. 

Also ging es erstmal auf dem Matschweg entlang des Utladalen nach Norden bis zur Storebru, die über die Utla in Richtung Gjertvassdalen führt. Ab hier Beginn der Aufstieg. Es ging ganz seicht los, durch Heidelbeersträucher entlang des Gjertvasselvi. Heute wird alles genutzt, was Motivation bietet - Heidelbeeren sind da super. 

Mich überholte eine norwegische Familie auf Tagesausflug. Als sie Pause machten, ging ich wieder vorbei. Irgendwann hatten sie mich aber angehängt. Egal. Ich ging stetig langsam bergan, die Höhenmeter nahmen zu. Dann waren die 400 Högenmeter erreicht, an den ich ggf. noch umgekehrt wäre. Nein, ich gehe weiter. 

Bis zur Mitte am See Gjertvatnet war es dann ein steilerer Anstieg und es wurde steinig. Am See angekommen, machte ich eine Pause. Gegenüber hatte man einen tollen Blick auf den Gjertvassbreen, der mich jetzt schon ein paar Meter begleitete. Es war eine tolle Aussicht bei sonnigen Wetter. Besser geht Pause nicht! Danach um das Gjertvatnet herum und über den Keisarpass. Hier mündet der Wanderweg ein, wenn man von der Straße aus Turtagrø aufsteigt. Auf halber Höhe umrundet man das Tal. Seit dem Gjertvatnet sind es nur Steine, jetzt kommen längere Strecken in Altschneefeldern dazu. Aber es geht ganz gut. Man hat den Block nach vorn auf den Fannaråki und sieht an dessen Spitze das heutige Tagesziel. Der Weg an der Ostseite nach oben ist steil, aber gut ausgebaut. 

Viele überholen mich, manche kommen entgegen. Ich bin langsam, wie immer. Als mich dann eine Trailrunnerin überholt, kann ich nur noch lächeln über die Norweger. Die sind schon teilweise ziemlich krass drauf. Und dann überholt mich noch ein großer Niederländer - Jasper hat mich wieder eingeholt. Mit neuen Schuhen ist er Back-on-Track. Er hatte auch an der Skogadalsboen gezeltet, aber auf der anderen Seite der Hütte, so dass wir uns nicht gesehen haben. Nun ja, er würde oben wieder warten. 

Nach ca. 460 weiteren Höhenmetern ist man auf dem Grat angekommen, den man nun entlang zur Hütte geht. Ich war schon ganz schön fertig, aber das schaffe ich auch noch. Die norwegische Familie war auf dem Rückweg, kam mit entgegen und freute sich, dass ich es mit meinem Rucksack bis oben geschafft hatte. 

Die Aussicht von oben war überwältigend. Ich konnte weit über das ganze Jotunheimen schauen. Ein paar Norwegerinnen luden mich auch einen Schluck Rotwein ein. Am Abend dann noch stimmungsvolle Gewitterbilder über dem Jostedalsbreen. 

Und ich bekam doch noch ein Bett. Det ordner seg! Und ich war stolz, meine Zweifel überwunden zu haben. Klar kann ich das schaffen! Ach und die Schokolinsen waren immer noch in meiner Tasche.



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