Am Morgen war es immer noch total ruhig - kein Ton zu hören. Mein Blick aus dem Zelt bestätigte meine Vermutung, dass ich noch immer im dichten Nebel sitze.
Ich ging wieder zeitig los. Obwohl ich gestern ja schon die vorletzte reguläre Etappe begonnen hatte, würde es heute hart werden. Das hatten mir ja mehrere Leute berichtet, die ich getroffen hatte. Ich ging im dichten Nebel an der Staumauer entlang und dann fing das Auf-und-Ab im steinigen Gelände wieder an. Teilweise musste man durch Felsspalten klettern oder sich mit den Händen dagegen stemmen, um mit den Füßen nicht abzurutschen. Dabei schnitt ich mir ordentlich in die Handflächen. Es war ziemlich schmerzhaft, dann die Trekkingstöcke wieder in die Hand zu nehmen.
Bei der Umrundung der Kjerringshetta sah ich Jaspers Zelt etwas schief auf einem kleinen Grasfleck stehen. Sein Zeltplatz war sicher nicht so optimal, wie meiner, aber immerhin hatte er was gefunden. Später würde er mir berichten, dass er länger für diese nicht wirklich optimale Stelle gesucht hatte. Ich ging am Zelt vorbei - Jasper würde mich nachher sowieso einholen.
Beim Anstieg auf das Tverbyttfjellet lichtete sich der Nebel und ich hatte einem schönen Blick zurück bis zur Staumauer, wo ich morgens gestartet war. Ich war nun schon wieder stundenlang unterwegs, hatte Luftlinie aber noch nicht so viel Strecke zurückgelegt. Hier oben traf ich wieder auf ausgedehnte Schneefelder, aber auch sehr schönes Gestein. Ich passierte das Liabrevatnet mit Blick auf den Liabreen-Gletscher und dann begann der blockige und rutschige Abstieg ins Vetledalen - vorbei an vielen kleinen Seen und Wasserläufen. Je tiefer man kam, desto grüner wurde es wieder und glücklicherweise gab es nahe der Nørdstedalshytta dann sogar eine kleine neu gebaute Brücke. Trotzdem war der Abstieg sehr steil und rutschig, so dass ich ziemlich vorsichtig sein musste und oft mehr kletterte als wanderte.
Am späten Nachmittag kam ich dann an der bedienten Hütte an. Die unbediente war noch verschlossen. In der bedienten Hütte saß Jasper schon seit längerem. Er hatte mich natürlich schon gegen Mittag schnellen Schrittes überholt. Ich holte mir meinen Stempel und eine Limo und wir entschlossen uns, trotz der anstrengenden Etappe auch noch ein paar Kilometer der nächsten Tagesetappe zu gehen. Das Wetter würde ok sein und wir hatten beide Lust, die letzte Übernachtung im Zelt zu verbringen.
Von der Hütte geht eine leicht zu gehende Schotterstraße zur Staumauer des Fivlemyrane und von dort geht ein Wanderweg weiter. Wir suchten uns Zeltplätze am Ufer der Nørdstedøla, die hier angestaut wird. Die Mücken bekamen wir gratis dazu. Aber weiter aufsteigen wollten wir nicht mehr. Es war schon Abend geworden und mit der Höhe würde der Untergrund wieder steiniger werden.

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